Kouremenos 2
Hin und zurück
Am Donnerstag bin ich mit Jürgen von Kouremenos hierhergefahren und nach zwei fast schlaflosen Nächten fahre ich mit ihm wieder zurück nach Kouremenos. Samstag ist der einzige Tag, an dem es ruhig genug ist, um die Strecke von plus/minus zwölf Seemeilen halbwegs erträglich zu bewältigen. Die Betonung liegt auf „halbwegs“!
There and back
On Thursday, I sailed here from Kouremenos with Jürgen, and after two almost sleepless nights, I’m travelling back with him to Kouremenos. Saturday is the only day when it seems calm enough to make the journey of roughly twelve nautical miles reasonably bearable. The emphasis is on ‘reasonably’!
Der starke Wind und die noch stärkeren Böen aus Nordwest haben einen unangenehmen Schwell erzeugt, der sich langsam in der ganzen Bucht ausbreitet. Die Pepperbird wird von den Wellen seitlich getroffen und bringen sie zum Rollen. Das ist die unangenehmste Bewegung, die ein Schiff vollführen kann. Zum Glück bin ich jetzt schon lang genug an Bord und werde davon nicht seekrank.
In der Nacht macht die Entlastungsleine am Anker ein starkes quietschendes Geräusch und am Morgen sehe ich, dass die Leine an der Scheuerleiste scheuert (daher der Name!) und ich suche ein Stück Schlauch aus der Backskiste mit der ich die Leine schütze. Ich hoffe, dass damit auch das Geräusch verschwindet – leider vergeblich, jetzt quietsche die Leine im Schlauch…
The strong wind and the even stronger gusts from the north-west have created an unpleasant swell that is slowly spreading across the whole bay. The Pepperbird is being hit from the side by the waves, causing it to roll. That is the most unpleasant motion a boat can experience. Fortunately, I’ve been on board long enough now that I don’t get seasick from it.
During the night, the anchor support rope makes a loud squeaking noise, and in the morning I see that the rope is rubbing against the rubbing strake (hence the name!) so I fetch a length of hose from the storage locker to protect the rope. I hope that this will also make the noise go away – unfortunately to no avail; now the line is squeaking against the hose…
Ich bleibe den ganzen Tag an Bord, schreibe an diesem Blog und genieße die Ruhe und die Einsamkeit. Es ist trotzdem ein eigenartiges Gefühl, allein auf engem Raum die Zeit zu verbringen. In der Nacht legen die Böen womöglich noch an Heftigkeit zu, aber gegen Morgen wird es doch ein wenig ruhiger und ich kann noch etwas schlafen.
Nach dem Frühstück mache ich das Dinghi fertig und fahre an Land – Hanna, Livia und Jürgen sind schon auf dem Weg nach Kato Zakros. Ich komme als erster an und gönne mir eine schöne Tasse Espresso im Akrogiali. Als die drei schließlich eintrudeln, sitzen wir noch ein wenig zusammen, bevor Jürgen und ich zur Pepperbird aufbrechen. Ich habe das Boot in der Früh schon seeklar gemacht, also müssen wir nur noch das Dinghi verstauen und den Anker aufholen. Dann geht es los.
I stay on board all day, writing this blog and enjoying the peace and solitude. It’s still a strange feeling, though, spending time alone in such a confined space. During the night, the gusts may well get even stronger, but by morning it does calm down a bit and I manage to get some more sleep.
After breakfast, I get the dinghy ready and head ashore – Hanna, Livia and Jürgen are already on their way to Kato Zakros. I’m the first to arrive and treat myself to a lovely cup of espresso at the Akrogiali. When the three of them finally turn up, we sit together for a while before Jürgen and I set off for the Pepperbird. I’d prepared the boat for sailing earlier that morning, so all we have to do is stow the dinghy and haul in the anchor. Then we’re off.
Die Rückfahrt nach Kouremenos verspricht etwas herausfordernder zu werden als es die Hinfahrt war. Mit dem Nordwest-Wind von vier bis fünf Bft und Böen bis sieben müssen wir die ganze Strecke hart am Wind segeln. Außerdem werden wir das letzte Stück in die Bucht von Kouremenos kreuzen müssen.
Die Windy-App verspricht als Untermalung Wellenhöhen von einem Meter und mehr mit einem Abstand von vier Sekunden und weniger. Das wird ein wilder Ritt, der auch wesentlich länger dauern wird als die Fahrt runter nach Zakros. Abgesehen von Wind und Wellen verspricht der Tag allerdings herrlich zu werden, sonniger Himmel und moderate Temperaturen vor allem am Wasser – selbst die überkommende Gischt hat angenehme 26 °C.
The return journey to Kouremenos looks set to be a bit more challenging than the outward leg was. With a north-westerly wind of four to five Bft and gusts of up to seven, we’ll have to sail close-hauled for the entire journey. What’s more, we’ll have to tack the final stretch into Kouremenos Bay.
As a backdrop the Windy app predicts wave heights of one metre or more, with a period of four seconds or less. It’s going to be a wild ride, and one that will take considerably longer than the trip down to Zakros. Apart from the wind and waves, however, the day looks set to be glorious, with sunny skies and moderate temperatures, especially by the water – even the spray coming in will be at a pleasant 26 °C.
Diesmal haben wir mehr Arbeit
We’ve got more work this time
Aufgrund der Vorhersagen entschließen wir uns, ein drittes Reff in das Großsegel zu nehmen und wieder war das die richtige Entscheidung. Die Luvgierigkeit in den stärksten Böen ist gerade noch zu bewältigen und wir können hart am Wind gute vier bis fünf Knoten Fahrt machen. Natürlich ist die Abdrift bei diesen Verhältnissen enorm, aber wir haben ja Zeit genug.
Wir starten mit einem langen Schlag nach Nordost doch als uns die Dünung weiter draußen ordentlich durchschüttelt, wenden wir, um dichter unter Land ruhigeres Wasser vorzufinden.
Based on the forecasts, we decide to take a third reef in the mainsail, and once again that proves to be the right decision. The tendency to develop weather-helm in the strongest gusts is just about manageable, and we can maintain a good four to five knots close-hauled. Of course, the drift is enormous under these conditions, but we have plenty of time.
We set off on a long reach towards the north-east, but when the swell further out at sea starts to toss us about quite a bit, we tack to find calmer waters closer to shore.
Unter Land ist es ein bisschen ruhiger
It’s a bit quieter near the land
Nach insgesamt sechs Wenden sind wir nahe der Insel Grandes, die der Bucht von Kouremenos vorgelagert ist. Weil der Wind etwas nachzulassen scheint, machen wir den Fehler, die Genua etwas auszureffen, was jedoch unsere Fahrt nicht beschleunigt, sondern nur die Krängung und Abdrift vergrößert. Am Track kann man schön erkennen, wie der Wendewinkel auf den letzten Schlägen immer kleiner wird.
Trotzdem kommen wir an Grandes schön vorbei und fahren an den Windsurfern vorbei zu unserem alten Ankerplatz. Diesmal finden wir auf Anhieb einen sandigen Platz und der Anker bleibt mit der Kette verbunden.
After a total of six tacks, we are near the island of Grandes, which lies off the coast of Kouremenos Bay. As the wind seems to be dropping a little, we make the mistake of letting out the genoa slightly; however, this does not speed us up, but merely increases the heel and our drift. You can see this clearly on the track, where the tack angle gets smaller and smaller on the final tacks.
Nevertheless, we sail past Grandes without a hitch and pass the windsurfers on our way to our old anchorage. This time we find a sandy spot straight away and the anchor remains attached to the chain.
Nach einer reichlich feuchten Fahrt mit dem Dinghi erreichen wir den Hafen von Kouremenos. Jürgen verabschiedet sich von uns und Hanna, Livia und ich haben ein leckeres Abendessen im Kakavia, einem Fisch- und Grillrestaurant am Nachbarstrand Hiona.
After a rather wet trip in the dinghy, we arrive at the harbour in Kouremenos. Jürgen says goodbye to us, and Hanna, Livia and I enjoy a delicious dinner at Kakavia, a fish and barbecue restaurant on the Hiona beach.